top of page

Rückblick auf zwei inspirierende Online-Workshops: Streifenanbau & Bestäuberförderung in der Agrarlandschaft

Aktualisiert: 17. Dez. 2025

In den vergangenen Wochen fanden im Rahmen der Vernetzungs- und Transfermaßnahme Beenovation zwei spannende Online-Workshops statt. Beide Veranstaltungen brachten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Behörden, Beratung und Verbänden zusammen und boten einen tiefen Einblick in aktuelle Forschung rund um den Schutz von Bestäubern in der Agrarlandschaft.


Sowohl die Ergebnisse aus dem Projekt BeeContour als auch die Erkenntnisse aus FarmerBeeWild zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig und praxisrelevant Maßnahmen zur Förderung von Wild- und Honigbienen sind und wie wichtig der Austausch zwischen Forschung und Praxis bleibt.


Workshop 1 – BeeContour (21.10.2025): Streifenanbausysteme zur Förderung von Bienen und weiteren Bestäuberinsekten in der Agrarlandschaft

Der erste Workshop widmete sich dem Potenzial von Streifenanbausystemen. Forschende der Justus-Liebig-Universität Gießen stellten neue Ergebnisse aus mehrjährigen Untersuchungen auf Praxisbetrieben und Versuchsflächen vor.


Zentrale Erkenntnisse

1.  Streifenanbau erhöht Strukturvielfalt und damit ökologische Vorteile

Mehr Heterogenität im Feld führt zu einer höheren Beta-Diversität bei Insekten – insbesondere bei Schwebfliegen. Die Häufigkeit von Wildbienen, Schwebfliegen und Käfern steigt in Streifenanbausystemen ebenfalls häufig an. Gleichzeitig treten weniger Blattläuse auf, was ein Hinweis auf eine gestärkte natürliche Schädlingskontrolle durch Nützlinge ist.


2. Erträge bleiben stabil – trotz (oder dank) mehr Diversität

Weder auf den universitären Versuchsbetrieben noch in den weiteren Praxisbetrieben gab es Hinweise auf signifikante Ertragseinbußen. Die Streifenbreite spielte dabei eine geringere Rolle als Bodenheterogenität und Nachbarkulturen.


3. Wirtschaftlichkeit: Mehr Wegezeiten, aber lösbare Herausforderungen

Je kleinteiliger die Streifen und je größer die Entfernung zu Hof oder Feld, desto höher der Arbeitsaufwand. Die Mehrkosten schwanken dabei zwischen 50 und 250 € pro Hektar. Trotzdem werden die Systeme von Landwirtinnen und Landwirten oft wegen zusätzlicher Vorteile wie Erosionsschutz fortgeführt.


4. Streifenanbau verändert die Landschaft und vernetzt Biotope von Bestäuberinsekten

Die Maßnahmen schaffen keine neuen Ressourcen, aber sie helfen landschaftliche Barrieren für Insekten mit einem geringen Flugradius zu überwinden und erhöhen somit die Durchlässigkeit der Landschaft.


Diskussion: Wert von Bestäubern und Herausforderungen in der Praxis

Im interaktiven Teil betonten die Teilnehmenden, dass Bestäuberinsekten ein zentraler Bestandteil eines komplexen ökologischen Netzwerks seien, deren Wert monetär schwer bezifferbar sei. Die Herausforderungen bestünden vor allem in der Bürokratie und bei der technischen Umsetzung von kleineren Ackerschlägen. Ein Praxisratgeber mit den Ergebnissen des Projekts wird Lösungen für die realen Betriebsbedingungen aufzeigen und den Landschaftskontext, Kulturen und Maschinentechnik berücksichtigen.


Workshop 2 – FarmerBeeWild (04.11.2025): Förderung von Bestäubern auf Feld- und Landschaftsebene

Der zweite Workshop präsentierte umfangreiche Ergebnisse einer groß angelegten Untersuchung aus Bayern. Mit 478 untersuchten Flächen, zahlreichen Nistplatzexperimenten und intensiven Bestäubererfassungen liefert das Projekt eine der umfassendsten Datengrundlagen zur Bestäubersituation in Agrarlandschaften.


Zentrale Erkenntnisse

1. Landschaftsstruktur entscheidet über das Vorkommen von Wildbestäubern

Hummeln profitieren besonders, wenn der Anteil ökologischer Flächen im Umfeld über 15 % liegt. Solitäre Bienen sind häufiger zu finden, wenn halbnatürliche Habitate wie Hecken oder Brachen vorhanden sind. Ohne solche Strukturen wirkt sich Rapsanbau teilweise negativ auf Hummelarten aus. Sind in der Umgebung mindestens 10 % halbnatürliche Habitate vorhanden sind, wirkt sich der Effekt durch den Rapsanbau jedoch positiv aus.


2. Vielfalt der Beikräuter ist entscheidend

Solitäre Bienen nutzen Beikräuter intensiv. Die Vielfalt der Beikräuter bestimmt die Artenvielfalt der Bestäuber und überbrückt teilweise Trachtlücken nach der Rapsblüte.


3. Bestäuberleistung wirkt sich direkt auf Erträge aus

Sonnenblumenerträge sinken ohne Bestäubung durch Wild- und Honigbienen. Bei Raps besteht eine positive Korrelation zwischen Wildbienenanzahl und Ertrag.


4. Nistplätze: Kleine Strukturen – große Wirkung

In über 300 aufgestellten Nisthilfen wurden 24.000 Brutzellen von Wildbienen und 19.000 Brutzellen von Wespen erfasst. Die Parasitierungsrate lag bei rund 25%. Bedeutende Landschaftselemente, welche Nistplätze bieten, waren dabei abgetragener Oberboden (gut für Wildbienen) oder Sandhügel (gut für Wespen) sowie die Nähe zu halbnatürlichen Habitaten. Solche Flächen dürfen maximal 30 m² groß sein, um förderunschädlich zu sein und sollten mehrjährig bestehen bleiben.


Diskussion

Die Teilnehmenden berichteten, dass die Angst vor Verunkrautung eines der größten Hemmnisse bleibe, insbesondere bei Flächen mit einer hoher Bodenzahl. Bei mehrjährigen Blühflächen solle daher auf Mischungen ohne Gräser gesetzt werden. Hecken spielen eine Schlüsselrolle und sollten in der Agrarlandschaft erhalten oder gezielt angelegt werden. Der Praxisratgeber Wildbienen gibt konkrete Empfehlungen für die Umsetzung.



Fazit: Diversifizierte Agrarlandschaften sind ein Schlüssel für gesunde Bestäuberpopulationen

Aus beiden Workshops lässt sich klar ableiten, dass strukturreiche Agrarlandschaften Bestäuberinsekten und weitere Nützlinge fördern und somit die Resilienz von Ökosystemen in der Landwirtschaft steigern. Maßnahmen wie Streifenanbau, Ökolandbau, gezielte Blühflächen und Nistplätze in Kombination mit halbnatürlichen Habitaten sind besonders wirksam. Praxisnahe Ratgeber, Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis sowie klare Kommunikation sind entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung.

 

Kommentare


bottom of page