Neue Veröffentlichung aus dem Projekt BienenHaltenHof: Warum Bienen und Landwirtschaft zusammengehören
- 6. Juli
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Was passiert, wenn Bienen wieder Teil landwirtschaftlicher Betriebe werden? Die neue Veröffentlichung aus dem Beenovation-Projekt BienenHaltenHof zeigt, dass die eigene Bienenhaltung den Blick von Landwirtinnen und Landwirten auf Blühangebote, Biodiversität und die Agrarlandschaft nachhaltig verändert. Die Ergebnisse machen deutlich, warum Landwirtschaft und Imkerei eng zusammengehören und wie Bienen wichtige Impulse für mehr Bestäuberförderung auf dem Hof geben können.
Wer mit Bienen arbeitet, schaut anders auf die Landschaft. Was für Imkerinnen und Imker eine vertraute Erfahrung ist, kann auch für Landwirtinnen und Landwirte einen echten Mehrwert bieten. Durch die unmittelbare Arbeit mit Honigbienen werden Trachtlücken, Blühphasen und das Zusammenspiel verschiedener Kulturen plötzlich sehr konkret sichtbar. Mit genau diesem Thema hat sich das Beenovation-Projekt BienenHaltenHof intensiv beschäftigt und seine Erkenntnisse nun in der Fachzeitschrift Animal - Science proceedings veröffentlicht. Eine zentrale Erkenntnis lautet: Wenn Bienen wieder Teil landwirtschaftlicher Betriebe werden, verändert das nicht nur den Umgang mit den Tieren, sondern auch den Blick auf Biodiversität, Nahrungsangebote und die Gestaltung der Agrarlandschaft.
Warum sich ein genauer Blick auf bäuerliche Bienenhaltung lohnt
Ausgangspunkt des Projekts war die Beobachtung, dass Landwirtschaft und Imkerei heute oft voneinander getrennt organisiert sind, obwohl sie in der Praxis eng miteinander verbunden sind. BienenHaltenHof untersuchte daher, ob eine eigene, extensive Bienenhaltung auf landwirtschaftlichen Betrieben dazu beitragen kann, das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Bestäubern zu stärken und Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität anzustoßen. Dafür wurden zwölf landwirtschaftliche Betriebe in Nord- und Süddeutschland über mehrere Jahre dabei begleitet, eine eigene Honigbienenhaltung aufzubauen und in den Betriebsalltag zu integrieren. Parallel dazu wurden vier unterschiedliche Behausungssysteme systematisch verglichen.
Was die Ergebnisse zeigen und was sie für die Praxis bedeuten
Die zentrale Botschaft des Projekts lautet: Bäuerliche Bienenhaltung ist grundsätzlich möglich und kann auf vielen Höfen erfolgreich etabliert werden, wenn die Einführungsphase fachlich begleitet wird. Diese Unterstützung erwies sich als entscheidend, um grundlegende imkerliche Aufgaben wie Fütterung, Behandlung und Völkerverjüngung sicher in den Betriebsalltag zu integrieren. Besonders wichtig war jedoch wie sich durch die eigene Arbeit mit den Bienen die Wahrnehmung der Landwirtinnen und Landwirte für ihre Betriebe deutlich veränderte. Schnell wurde klar, dass Bienenhaltung nicht nur Honigproduktion oder Bestäubungsleistung bedeutet, sondern auch ein persönlicher Lernprozess sein kann. Wer selbst Bienen hält, erlebt unmittelbar, wann Nahrung fehlt, welche Flächen tatsächlich von Bestäuberinsekten genutzt werden können und an welchen Stellen die Landschaft Defizite aufweist.
Viele Betriebe reagierten bereits im ersten Jahr mit konkreten Maßnahmen. Sie legten zusätzliche Blühangebote an, etwa durch Blühstreifen, blühende Zwischenfrüchte oder Untersaaten, und passten Mahd- und Mulchzeitpunkte an. Die Bienen wurden damit tatsächlich zu Impulsgebern für Veränderungen im Biodiversitätsmanagement. Denn die Betriebe stellten schnell fest, dass ihre Honigbienen in den Sommermonaten ohne Zufütterung nicht ausreichend versorgt gewesen wären. Die Ergebnisse liefern daher eine wissenschaftliche Bestätigung für eine häufige Erfahrung aus der imkerlichen Praxis: Erst wenn die Versorgung der eigenen Völker zum konkreten Thema wird, wird sichtbar, wie lückenhaft das Blühangebot in der Agrarlandschaft vielerorts tatsächlich ist. Selbst auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben reichen bunte und artenreiche Flächen oft nicht aus, um mehrere Honigbienenvölker durchgängig zu versorgen.
Der Blick nach vorn: Erfahrung statt abstrakter Appelle
Die Ergebnisse von BienenHaltenHof zeigen, dass praktische Erfahrungen ein wirksamer Hebel sein können, um Veränderungen anzustoßen. Die teilnehmenden Betriebe waren auch nach Projektende motiviert, sich weiterhin für Biodiversität zu engagieren und die Nahrungsgrundlage ihrer Bienen zu verbessern.
Das Projektteam plädiert dabei nicht pauschal für „mehr Bienen“, sondern für eine stärkere Verbindung zwischen Bienenhaltung und landwirtschaftlicher Praxis. Nicht jeder Betrieb muss dafür eigene Bienenvölker halten. Ebenso denkbar sind Kooperationen mit lokalen Imkereien, um gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung des Blühangebots umzusetzen.
Damit schlägt das Projekt eine Brücke zwischen Imkerei und Landwirtschaft und verdeutlicht, warum diese Verbindung für die Zukunft der Bestäuberförderung von großer Bedeutung ist.
Welche Erkenntnisse wurde für die Imkerei gewonnen?
Zur Frage, ob bestimmte Beutensysteme die Bienengesundheit fördern, liefern die bisherigen Ergebnisse kein eindeutiges Bild. Im systematischen Vergleich der drei untersuchten Systeme (Dadant, Bienenbox und Bienenkiste) – zeigten sich weder beim Arbeitsaufwand noch bei zentralen biologischen und betriebswirtschaftlichen Parametern wesentliche Unterschiede. Untersucht wurden unter anderem Populationsdynamik, Futterbedarf, Honigertrag, Pflanzenschutzmittelrückstände im Honig, Eingriffsintensität sowie die Überlebensrate der Völker. Die Wahl des Beutensystems sollte daher vor allem von den jeweiligen Zielen der Bienenhaltung abhängen.
Zusätzlich wurde der SchifferTree als Baumhöhlensimulation untersucht. Mit einer Besiedlungsrate von 60 Prozent wurde das System zwar gut angenommen, erwies sich jedoch nicht als dauerhaft stabile Lösung. Die Bienenvölker überlebten darin langfristig nicht. Ob dies auf einen starken Varroabefall oder eine unzureichende Nahrungsversorgung zurückzuführen war, konnte im Projekt nicht eindeutig geklärt werden.
Die Ergebnisse zeigen damit auch, dass extensive oder naturnahe Haltungsformen interessante Perspektiven bieten, jedoch nicht automatisch weniger Aufwand oder bessere Ergebnisse garantieren.
Fazit für Imkerinnen, Imker und landwirtschaftliche Betriebe
Die neue Veröffentlichung aus dem Projekt BienenHaltenHof macht deutlich, dass Bienenhaltung und Landwirtschaft nach Möglichkeit nicht getrennt gedacht werden sollten. Wenn Honigbienen wieder stärker auf Höfen verankert sind, entstehen daraus nicht nur praktische Erfahrungen in der Tierhaltung, sondern auch neue Impulse für Biodiversität, Trachtverbesserung und ein besseres Verständnis der Agrarlandschaft. Bienenhaltung ist weit mehr als die Honigproduktion oder Bestäubungsleistung. Wenn Bienen zurück auf den Hof kommen, verändert sich nicht nur der Blick auf die Landschaft, sondern der eigene Betrieb kann nachhaltiger und biodiversitätsfreundlicher gestaltet werden.


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