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Wenn Bienenkrankheiten wandern: Neue Erkenntnisse zur Virusüber-tragung zwischen Bienenarten

  • 6. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Für Imkerinnen und Imker ist die Gesundheit der Völker eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Saison. Gleichzeitig zeigt die Forschung immer deutlicher, dass sich Bienengesundheit nicht allein am Bienenstand entscheidet. Viele Krankheitserreger werden in größeren Ökosystemen übertragen. Blüten können dabei zu wichtigen Kontaktpunkten zwischen Honigbienen, Hummeln und anderen Wildbienen werden. Eine aktuelle Studie aus dem Beenovation-Projekt ComBee liefert hierzu neue Erkenntnisse und zeigt, dass die Übertragung von Viren zwischen verschiedenen Bienenarten deutlich komplexer ist als lange angenommen.

 

Blühflächen als Treffpunkt – und Infektionsort

Blühende Landschaften sind für unsere Bienen überlebenswichtig, denn sie liefern Nektar sowie Pollen und bilden damit die Grundlage für Brutentwicklung, Volksstärke und Widerstandskraft. Gleichzeitig treffen dort jedoch viele verschiedene Bestäuber aufeinander: Honigbienen, Hummeln und andere Wildbienen besuchen oft die gleichen Blüten.

Diese Begegnungen sind nicht nur ökologisch wertvoll, sie können auch ein Risiko darstellen. Denn über Blüten lassen sich Krankheitserreger übertragen, etwa über kontaminierten Pollen, Nektar oder andere Rückstände auf den Blüten. Bislang ging man häufig davon aus, dass Honigbienen die Hauptquelle vieler Viren sind, die dann auf Wildbienen übergehen. Die neue Studie zeigt jedoch ein deutlich komplexeres Bild und warum sich ein genauer Blick auf Krankheitswege lohnt.


Überraschende Erkenntnis: Wildbienen können selbst wichtige Wirte sein

Im Rahmen der Untersuchung wurden in 32 Agrarlandschaften in Niedersachsen und Hessen Blütenbesuche verschiedener Bienenarten erfasst und mit molekularen Virusanalysen kombiniert. Insgesamt flossen 48 landschaftsbezogene Blütenbesuchsnetzwerke und Virusdaten von 1.725 Individuen aus zehn Bienenarten in die Auswertung ein. Ziel war es, nicht nur festzustellen, welche Viren vorkommen, sondern auch zu klären, welche Arten für ihre Verbreitung besonders wichtig sind. Dafür nutzte das Forschungsteam artspezifische Basisreproduktionszahlen, also Kennwerte dafür, wie stark eine Art zur Aufrechterhaltung und Weitergabe eines Virus beitragen kann.


Besonders aufschlussreich ist, dass nicht in jedem Fall die Honigbiene der wichtigste Wirt eines Virus ist. Zwar bestätigt die Studie, dass Honigbienen an den untersuchten Standorten eine zentrale Rolle für das Flügeldeformationsvirus (DWV) und das Black-Queen-Cell-Virus (BQCV) spielen. Beim Akuten Bienenlähmungsvirus (ABPV) ergab sich jedoch ein anderes Bild: Hier wurde die Steinhummel (Bombus lapidarius) als wichtigster Wirt identifiziert. Damit zeigt die Arbeit deutlich, dass Virusdynamiken in Bestäubergemeinschaften nicht pauschal von Honigbienen ausgehen müssen, sondern auch von Wildbienenarten maßgeblich geprägt werden können.


Warum das Akute Bienenlähmungsvirus besondere Aufmerksamkeit verdient

Besonders bemerkenswert an der Studie ist daher, dass die Rolle einzelner Bienenarten deutlich differenzierter betrachtet werden muss. Während die Honigbiene für einige wichtige Viren der zentrale Wirt bleibt, kann bei anderen Erregern eine Wildbienenart entscheidend sein. Am Beispiel des Akuten Bienenlähmungsvirus zeigt sich dies besonders klar, da dieses Virus für Honigbienen hochproblematisch ist. Infizierte Honigbienen können schon kurz nach der Infektion mit ABPV nicht mehr fliegen und sterben innerhalb weniger Tage. Im schlimmsten Fall kann so ein gesamtes Volk zusammenbrechen.

Bei der Steinhummel scheint dieses Virus dagegen deutlich weniger oder keinen Schaden anzurichten. Der Erreger kann sich daher in der Steinhummel als Wirt weitervermehren und auf andere Bienenarten ungehindert übertragen werden. Genau diese Kombination macht die Steinhummel daher aus epidemiologischer Sicht sehr relevant.


Für die Praxis bedeutet dies, dass das Krankheitsgeschehen nicht pauschal bewertet werden sollte. Welche Art als besonders wichtiger Wirt wirkt, hängt vom jeweiligen Erreger ab. Gerade deshalb ist es so wichtig, Übertragungswege differenziert zu betrachten und nicht von einer einzigen Ursache oder einem einzigen Hauptverursacher auszugehen. Die Studie liefert damit eine wichtige Grundlage für ein genaueres und ökologisch realistischeres Verständnis von Bienengesundheit in Agrarlandschaften.

 

Was das für die Imkerei bedeutet

Die aktuelle Forschung aus dem ComBee-Projekt zeigt deutlich, dass sich die Gesundheit von Honigbienen nicht losgelöst von ihrer Umgebung betrachten lässt. Viren zirkulieren zwischen verschiedenen Bienenarten, und dabei können sowohl Honigbienen als auch Wildbienen entscheidende Rollen spielen. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass nicht die bloße Vielfalt an Arten das Infektionsgeschehen bestimmt, sondern vor allem die Kontakte zu jenen Arten, die als Schlüsselwirte wirken.


Für die Imkerei ergibt sich daraus vor allem eines: Wer gesunde Völker fördern möchte, sollte nicht nur den Bienenstock, sondern auch die Landschaft als Gesundheitsfaktor betrachten. Gute Trachtbedingungen wirken sich dabei nicht allein auf den Honigertrag aus, sondern können auch die Widerstandsfähigkeit und Gesundheit der Völker stärken. Maßnahmen zur Erhöhung des Blühangebots in der Agrarlandschaft erhalten damit eine zusätzliche Bedeutung. Blütendiversität fördert die ökologische Qualität von Lebensräumen, verbessert die Nahrungsversorgung von Bestäubern und kann gleichzeitig dazu beitragen, die Übertragung von Krankheitserregern zu verringern, indem sich Sammelbienen stärker auf verschiedene Blühflächen verteilen.

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