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Wie wirkt sich der Klimawandel auf Bienen aus?


Dieser Frage wurde im Rahmen der Beenovation-Session auf der DAFA-Konferenz "Agrarforschung zum Klimawandel" auf den Grund gegangen. Die Ergebnisse der Diskussionsrunden identifizierten offene Fragen und gaben richtungsweisende Empfehlungen für die Gestaltung zukünftiger Forschungsanstrengungen und konkreter Handlungsstrategien.


Keynote-Speaker Professor Kaspar Bienefeld, ehemaliger Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf, zeigte in seinem Vortrag einige direkte und indirekte Auswirkungen des Klimawandels auf die Honigbiene. Wahrscheinliche negative Auswirkungen könnten die Ausbreitung neuer Bienenkrankheiten, Parasiten und invasive Fressfeinde sowie starke Veränderungen der Blütezeitpunkte im Jahresverlauf sein. Wärmere Winter könnten auch dazu führen, dass die Brutpause in dieser Jahreszeit immer häufiger ausfällt, so dass sich die Varroamilbe das ganze Jahr über in den Bienenvölkern vermehren kann. Trotz dieser Herausforderungen erweisen sich Honigbienen im Vergleich zu solitär lebenden Wildbienen als anpassungsfähiger an veränderte klimatische Bedingungen, da sie den Bienenstock aktiv temperieren können. Internationale Zuchtprogramme mit verschiedenen Unterarten von Apis mellifera führen zu einem Rückgang von genetischer Vielfalt bis hin zum Verlust ganzer endemischer Unterarten. Dies könnte in Zukunft die Anpassung der Honigbiene an den Klimawandel erschweren. Die Hybridisierung von Arten führt weniger zu einer besseren Anpassung an trockenere Klimabedingungen, sondern vielmehr sind überlebenswichtige Verhaltenseigenschaften (u.a. auch die Abwehr von Fressfeinden) in Hybriden nicht mehr ausgeprägt. Professor Bienefeld forderte daher, den Export z.B. von Apis mellifera carnica in Länder mit autochthonen Honigbienen-Subspezies umgehend zu stoppen, um den Verlust genetischer Vielfalt durch Verdrängung der europäischen Honigbienen zu verhindern. Außerdem sollten Zuchtprogramme für Honigbienen Krankheitsresistenz, Vitalität und geeignete Anpassungseigenschaften berücksichtigen, um Populationen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen.


Herr Dr. Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei zeigte auf, wie zukünftig Daten aus dem TrachtNet wichtige Informationen zur Veränderung des Trachtangebots in verschiedenen Regionen Deutschlands liefern können, um daraus frühzeitig Folgen für bestäubende Insekten abzuleiten. Derzeit ist noch kein signifikanter Einfluss höherer Temperaturen zu Jahresbeginn auf das Trachtaufkommen im Frühjahr erkennbar. Da für die Flugaktivität der Honigbienen nicht nur die Temperatur, sondern auch Wind und Niederschlag entscheidend sind, kann sich ein warmes, aber feuchtes Frühjahr trotz frühen Blütenangebots negativ auf den Trachteintrag auswirken. Dagegen wirkten sich wärmere Sommermonate bisher positiv auf die Honigproduktion der Bienenvölker aus. Weitere Zusammenhänge zwischen Witterung und Trachteintrag sollen in Zukunft anhand der TrachtNet-Daten analysiert werden.


Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Förderung und den Erhalt der Biodiversität und die Stärkung der Resilienz von bestäubenden Insekten gegenüber dem Klimawandel ist die Landnutzung. Frau Dr. Redlich von der Universität Würzburg stellte Ergebnisse ihrer aktuellen Studie vor, die zunächst darauf hindeuten, dass Bestäuberinsekten in naturnahen und landwirtschaftlich genutzten Landschaften von einem wärmeren Klima in Bayern profitieren könnten. Dabei spielen vor allem Waldgebiete eine wichtige ökologische Rolle, wobei sie negative Auswirkungen des Klimawandels „abpuffern“. In urbanen Räumen hingegen wirkt sich ein wärmeres Klima negativ auf die Vielfalt bestäubender Insekten aus.


Herr Dr. Christopher Morhart von der Universität Freiburg zeigte anhand von Zwischenergebnissen aus dem Projekt INTEGRA, wie landwirtschaftliche Flächen durch Agroforstsysteme resistenter gegenüber Extremwettereignissen sind und gleichzeitig wichtige Nahrungsressourcen für Bestäuberinsekten bieten. Zukünftige Forschungsfragen sollten verstärkt die Quantifizierung des Tracht- und Blütenangebots heimischer Baum- und Straucharten beinhalten, um eine gezielte Habitataufwertung landwirtschaftlicher Flächen zu ermöglichen.

Darüber hinaus ist es wichtig, die komplexen Zusammenhänge zwischen direkten und indirekten Folgen des Klimawandels und der Vielfalt der Bestäuber zu untersuchen. Oft beeinflussen sich multifaktoriell bedingte Ereignisse gegenseitig oder heben sich auf, was eine einfache Ursache-Wirkungs-Betrachtung unmöglich macht.

Für ein nachhaltiges Landschaftsmanagement sind transdisziplinäre und partizipative Forschungsanstrengungen notwendig. Ziel muss es sein, Inselhabitate durch Agroforstsysteme, Heckenstrukturen und Blühkorridore zu vernetzen, um den genetischen Austausch zwischen Populationen zu ermöglichen und deren Resilienz zu stärken. Kooperationen zwischen allen beteiligten Stakeholdern wie Imkereien, Landwirt:innen, Ökolog:innen und politischen Entscheidungsträger:innen sind dabei maßgeblich.






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