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Veröffentlichung neuer Ergebnisse aus dem EAsyLife-Projekt

Zwei Bienen bei der Nahrungsaufnahme

Im Projekt EAsyLife wurde seit 2021 eine praxistaugliche Anwendung von Lithiumchlorid (LiCl) zur Behandlung gegen die Varroamilbe in Bienenvölkern erforscht. Dabei geht es vor allem darum, die richtige Konzentration für eine hohe Wirksamkeit bei gleichzeitig geringer Schädigung der Bienenbrut zu finden. Die Ergebnisse der verschiedenen LiCl-Applikationen unter Praxisbedingungen wurden nun in Parasitology Research veröffentlicht (Rein et al. 2024).


In vorherigen Versuchen wurde die Wirkung von LiCl auf die Bienenbrut im Detail untersucht. Hierbei zeigte sich, dass höhere LiCl Konzentrationen auch zu höheren Schäden an der Brut führten und diese vermehrt ausgeräumt wurden (Rein et al. 2022). Um diese Brutschäden zu vermeiden, wurden daher verschiedene Behandlungen in brutfreien Völkern getestet. Dazu wurde die Bienenkönigin nach der letzten Honigernte im Sommer für drei Wochen gekäfigt. Die Behandlung mit LiCl erfolgte am Tag der Freilassung der Königin und die nun brutfreien Völker wurden für neun bzw. fünf Tage mit 50 mM LiCl gemischt in einen Futterteig (2,5 kg bzw. 2 kg) gefüttert. Zusätzlich wurde ein Versuch durchgeführt, bei dem die Königin nicht gekäfigt wurde und somit Brut vorhanden war, die Behandlung allerdings in kleineren Mengen von viermal 0,5 kg Futterteig mit 50 mM im Abstand von sieben Tagen gefüttert wurden.

Dadurch sollte der Kontakt des LiCl Futters mit den Larven geringgehalten und Brutschäden vermieden werden. Die Wirksamkeit dieser Behandlungen wurden mit der standardmäßigen 60% Ameisensäurebehandlung im Nassenheider Verdunster verglichen.


Die Wirksamkeit bei brutfreien Völkern mit einer Behandlungsdauer von neun Tagen betrug 98,1% ±0,7% und war damit deutlich wirksamer als die Behandlung mit Ameisensäure (69,5% ±25,2%). Die Behandlung mit LiCl führte dennoch zu einer Schädigung des ersten Brutzyklus mit einer Überlebensrate von 4,5% nach 16 Tagen.

Es gab jedoch keine langfristigen Auswirkungen auf die Bienenvölker, so dass sich die Population ab dem zweiten Brutzyklus normal entwickelte und alle Völker den Winter überlebten.


Die Verkürzung der Behandlungsdauer auf fünf Tage bei Völkern ohne Brut verringerte die Wirksamkeit auf 77,5% ± 12,8% und auch die Schäden an der Brut waren geringer. Die Überlebensrate im ersten Brutzyklus betrug 45% und stieg bei einer erneuten Kontrolle im zweiten Brutzyklus auf 82%. Die Wirksamkeit war jedoch sehr variabel und daher nicht signifikant wirksamer als bei einer Behandlung mit Ameisensäure.


Die gestaffelte Block-Behandlung in Bienenvölkern mit Brut zeigte eine Wirksamkeit von 87,9 ± 10,5%, was im Mittel höher als die Kontrollbehandlung mit Ameisensäure war, jedoch war der Unterschied ebenfalls nicht signifikant. Die Überlebensrate der Brut nach zwei Behandlungen betrug am 16. Tag 52%, sank aber nach der dritten Behandlung mit LiCl signifikant auf 8%. Dieser Versuch bestätigt frühere Ergebnisse, dass Bienenlarven LiCl nicht gut vertragen und ihre Entwicklung stark beeinträchtigt wird.


Die Untersuchung von Futterkranzproben ergab, dass die LiCl-Konzentration nach Ende der Behandlung kontinuierlich abnimmt und somit keine Langzeitwirkung auf das Bienenvolk zu erwarten ist. Auch im geernteten Honig des Folgejahres konnten keine erhöhten LiCl-Werte festgestellt werden.


Das Fazit

Die Behandlung mit LiCl über den Futterteig führt zu einer zuverlässigen Abtötung (>95%) der Varroamilben. Allerdings ist die Behandlungsdauer von neun Tagen etwas zu lang und sollte ggf. verkürzt werden, solange die Wirksamkeit über 90% liegt. Eine weitere Möglichkeit, den Schaden an der Brut zu reduzieren, besteht darin, mit der LiCl- Behandlung bereits eine Woche vor dem Freilassen der Königin zu beginnen. Somit könnten die meisten Varroamilben abgetötet sein und der LiCl-Gehalt im Bienenvolk wäre bereits gesunken, bis die Königin wieder in Eiablage geht. Da die Behandlung mit LiCl witterungsunabhängig ist, könnte sie eine zuverlässige Alternative zur Varroabekämpfung darstellen. Allerdings ist LiCl bislang nicht als Tierarzneimittel zugelassen und eine zuverlässige Verabreichungsmethode muss im Rahmen einer Zulassungsstudie weiter untersucht werden. Bis zur Zulassung ist die Anwendung von LiCl in Bienenvölkern in Deutschland verboten.



Quellen:

Rein, Carolin, Marius Blumenschein, Kirsten Traynor, und Peter Rosenkranz. 2024. „Lithium Chloride Treatments in Free Flying Honey Bee Colonies: Efficacy, Brood Survival, and within-Colony Distribution“. Parasitology Research 123 (1): 67. https://doi.org/10.1007/s00436-023-08084-y.

Rein, Carolin, Marisa Makosch, Julia Renz, und Peter Rosenkranz. 2022. „Lithium Chloride Leads to Concentration Dependent Brood Damages in Honey Bee Hives (Apis Mellifera) during Control of the Mite Varroa Destructor“. Apidologie 53 (4): 38. https://doi.org/10.1007/s13592-022-00949-y.

  Bild: Pixabay



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